Reiter
Entgegen der Sonne ritt ich entlang des roten Flusses,
bis an die Ufer lag unberührt der Schnee.
Ich wähnte schon des Todes Kusses,
doch nirgends sah ich die dunkle Fee.
An meiner Seite ruhten Schwert und Bogen,
doch Augen und Ohren wachsam bereit.
Ich wundere mich über die Stille,
frage mich, was sie bringt,
heiße willkommen den Frieden,
doch reite weiter geschwind.
Bei Tagesende erspähte ich den finsteren Wald,
über Flur und Feld ritt ich durch hohen Schnee.
Ich ahnte: Dunkle Wolken kommen bald.
Doch unberührt lag See.
Böses schlug mir nicht entgegen, es war nur kalt.
In Ruhe schauend stand ein Reh.
Ich wundere mich über die Stille,
frage mich, was sie bringt,
heiße willkommen den Frieden,
doch reite weiter geschwind.
Dunkel war’s zwischen den Tannen,
als ich Ritt durch die Nacht.
Ich dachte: „Banditenpack schert euch von dannen.“
Aber weder Hohn noch Spott wurden mir entgegen gebracht.
Nirgends fand ich finstere Gestalten,
keine Schreie und kein Leid.
Ich wundere mich über die Stille,
frage mich, was sie bringt,
heiße willkommen den Frieden,
doch reite weiter geschwind.
Die Gassen in der nächsten Stadt waren verlassen,
und die Schmieden schwiegen still.
Doch gab es hier kein Streiten und kein Hassen,
nur frohe Geschichten, die jeder hören will.
Ich sagte mir: So soll es sein, so kann man es lassen.
Als ich weiter ritt ertönte ein Glockenspiel.
Ich wundere mich über die Stille,
frage mich, was sie bringt,
heiße willkommen den Frieden,
doch reite weiter geschwind.
Über die Hügel und Kuppen,
erreichte ich einen kleinen Ort.
Entgegen wehrte ein Geruch von Suppen,
und was ich sah, trug böse Gedanken hinfort.
In den Fenstern bunte Puppen,
nirgends Diebstahl oder Mord.
Ich wundere mich über die Stille,
frage mich, was sie bringt,
heiße willkommen den Frieden,
doch reite weiter geschwind.
Ich hielt an einem einsamen Haus.
Sah durchs Fenster in einen kleinen Raum.
Fragte mich, wer hält es so alleine aus.
Dort saßen Kinder unter einem grünen Baum.
Sie holten kleine Geschenke hervor.
Hier erfüllte sich ein kleiner Traum.
Ich wundere mich über die Stille,
frage mich, was sie bringt,
heiße willkommen den Frieden,
doch reite weiter geschwind.
An der Grenze sah ich viele Flaggen stehen.
Doch anstatt des Kampfes Hall, erklangen Lieder.
Freund und Feind sah ich zusammen gehen.
Mit Verzeihen kommt der Frieden wieder.
So konnte ich das eine sehen:
Diese Nacht ging nur Schnee auf die Erde nieder.
Ich wundere mich über die Stille,
frage mich, was sie bringt,
heiße willkommen den Frieden,
halte inne und staune wie ein Kind.