Wenn mein Spiegel sich irrt
Wenn der Tag erwacht,
die Sonne lacht.
Mir in das Gesicht,
das Wasser bricht.
Die Augen verkniffen,
hab ich nicht begriffen.
Was ist da seh,
wenn ich vor dem Spiegel steh.
Ist das ein Troll?
Na toll!
Er blinzelt mich an,
Ich zeig, dass ich das auch kann.
So geht‘s hin und her,
ist auch nicht schwer.
Der Kamm auf und ab,
macht die Haare schön glatt.
Der Troll ist hinfort,
doch was sehe ich dort?
Das kann doch nicht sein,
ich könnte glatt schreien.
Wieder ein graues Haar,
und was ist das auf der Nase da?
Ein Pickel so rund,
macht mich zum Kunterbund.
So ein Dreck,
das Ding muss weg!
Wo kommt das her?
So ein Ärger.
Ich kann‘s nicht verstehen,
gestern hab ich es noch nicht gesehen.
Doch da fällt‘s mir ein.
Das muss es sein!
Das kommt schon mal vor.
Ach bin ich ein Thor!
Wenn mein Spiegel sich irrt,
bin ich verwirrt.
Damit der Pickel geht,
wird der Spiegel gedreht.
Das hat funktioniert.
Ich bin fasziniert.
Aber wie dumm,
jetzt ist sie krumm,
meine Nase.
Und wie ein Hase,
hab ich nun Ohren.
Dazu die Haare kurz geschoren.
Das müssen wir ändern!
Ich greife zu den Rändern.
Ziehe sie zu mir,
und sehe nicht mehr aus wie ein Tier.
Dafür wie ein Brot,
alles im Lot.
Trotz Kanten und Ecken,
wollte ich mich nie verstecken.
Doch das geht zu weit,
ich bin tiefer als breit.
Wie soll ich es nur sagen?
Dazu kann ich nichts tragen.
Oder einen Kasten vielleicht,
aber ob der reicht?
Ich wäre doch gern wieder rund,
das erscheint mir auch gesund.
Ich probiere es mit drücken,
doch dann habe ich Lücken.
Zwei Löcher in den Backen,
da könnte man Äpfel reinpacken.
Und unten am Bauch,
da fehlt es auch.
Das der nicht mehr murrt,
und kein Stück mehr knurrt,
das liegt nur daran,
der ist nicht mehr dran.
Ich könnte ihn doch gebrauchen,
also teste ich es mit Stauchen.
Wie schön ist dieser Augenblick,
alles an mir ist zurück.
Nur der Pickel ist verschwunden,
ich hab‘s wohl überwunden.
Doch war ich nicht mal groß?
Was ist da los?
So schlecht sieht es gar nicht aus.
So gehe ich heute raus.
Ich bin kaum mehr einen Meter,
doch mein Kaffee, dort oben steht er.
Nein so geht das nicht!
Schrei ich in mein Gesicht.
Mir entweicht ein Zischen,
ich versuche es mit wischen.
Hilft beim Smartphone ja auch,
doch hier trifft‘s den Bauch.
Ich sehe aus wie ein Nielpferd,
das scheint mir verkehrt.
Und schau ich an mir runter,
da wird es noch bunter.
Die Hüfte so breit,
das jeder Stuhl schreit.
Die Füße so klein,
nuja, pass ich in alle Schuhe rein.
Nein, so geht es nicht weiter,
jetzt werde ich gescheiter.
Ganz keck,
drück ich den Reset.
Und alles ist, wie es war,
ganz und gar wunderbar.
Bauch, Beine, Po,
was bin ich froh.
Ach,
doch...
Jetzt ist die Nase wieder gespickt,
ist das verrückt!
Bevor ich es verlasse, dieses Höllenzimmer
fragt mein Spiegel mich wie immer:
„Spiegler, Spiegler sage mir,
wer ist der Ehrlichste hier?“
„Du Spiegel an meiner Wand,
bist der Ehrlichste im ganzen Land.“