Peter und das Osterwetter
Peter ist ein Junge, der in die erste Klasse geht. Für seine sechs Jahre ist er noch recht klein, aber dafür umso schlauer. Seine Eltern Karl und Lina haben ihn sehr lieb. Zusammen wohnen sie in einem dreistöckigen Haus in der Stadt. Ihre Wohnung befindet sich oben links. Er besucht gerne und oft seine Oma und seinen Opa. Er ist also ein ganz gewöhnlicher Junge. In einer ganz gewöhnlichen Familie. Ein ganz gewöhnlicher Junge? Nicht ganz. Nachts träumt er verrückte Dinge und erlebt die spannendsten Abenteuer. Meistens sind seine Träume wunderschön, aber manchmal machen sie ihm auch Angst.
„Mama! Es schneit immer noch!“, rief Peter vom Fenster des Wohnzimmers in den Raum. Er hatte die Blumentöpfe mit den schön blühenden Blumen darin beiseite geschoben, damit er sich auf die Fensterbank setzen und hinausschauen konnte.
„Der Wetterbericht sagt, das wird auch noch eine Weile so bleiben“, verriet Papa.
„Och menno! Das ist aber doof! Morgen ist doch Ostern und Oma und Opa sollen kommen!“
„Vielleicht ist das Wetter morgen früh ja schon besser. Opa fährt halt nicht mehr so gerne, wenn es glatt ist. Sonst kommen sie in den nächsten Tagen vorbei.“
„Aber morgen ist Ostern!“
Peters Mutter kam mit der Zahnbürste in der Hand zu ihm und sagte: „Im April ist das Wetter manchmal so. Daran können wir nichts ändern.“
Nachdem Peter seine Zähne geputzt hatte und er unter seine Bettdecke gekrochen war, kuschelte er sich ganz ein, blickte zum Fenster und wünschte sich ganz, ganz stark, dass es aufhören sollte zu schneien.
„Wach auf“, sagte eine brummige Stimme in Peters Ohr, „Wach auf.“
Der kleine Junge öffnete seine Augen, als etwas Weiches über seine Stirn strich. Er blickte in das Gesicht seines Teddys. Dieser lächelte ihn freundlich an.
„Was ist denn los?“
„Schau dich mal um. Wir sind im Traumland“, Teddy drehte sich um.
Peter sah auf. Er befand sich im Garten. Neben ihm Befand sich der alte Baum mit dem Baumhaus darauf. An den Fenstern hingen lila und rosa Gardinen. Aber heute lag über allem eine dicke, weiße Schneeschicht. Der Sandkasten war sogar komplett unter einem großen Berg Schnee verschwunden.
„Hallo!“, die gute Fee Linda winkte aus dem Baumhaus in Richtung Peter und Teddy.
„Hallo Linda!“, rief Peter zurück.
„Oh hallo Peter, hallo Teddy. Ihr seid ja auch da!“
Die gute Fee hatte also nicht zu ihnen hallo gerufen. Aber zu wem dann? Peter drehte sich um. Der große Schneeberg war ein Iglu und gerade wackelte aus dem Eingang ein weißes Hinterteil mit einem buschigen Schwanz. Er schlüpfte heraus und drehte sich um. Peter sah in das Gesicht eines Hasen, der ihn neugierig anblickte.
„Oh du bist der Osterhase!“, freute sich der Junge.
„Der Osterhase?“, fragte der Hase empört, „Ich bin doch nicht der Osterhase! Sieht man doch, dass ich nicht bunt bin, sondern weiß! Ich bin der Schneehase.“
Teddy sah ihn an und fragte: „Versteckst du auch Eier und Süßigkeiten?“
„Oh ja! Aber nicht nur das. Ich verstecke alles!“, der Hase deutete auf die lila und rosa Gardinen am Baumhaus. Er schlackerte mit den langen Ohren und wirbelte damit so viel Schnee auf, dass er zu einem Tornado wurde und auf das Baumhaus zuraste. Dort vergrub er die Gardinen und Linda unter einer weißen Schneeschicht.
Die Fee hatte sich einen Moment später befreit und streckte ihren Kopf aus dem Schnee. Sie zitterte.
„Oh ist das kalt!“
„Hey! Das war gemein!“, sagte Peter zum Schneehasen.
„Ach was. So ist das doch viel schöner.“
„Viel schöner ist doch der Sonnenschein“, brummte Teddy holte tief Luft und pustete zu den Wolken. Sofort wurden diese weitergeschoben und die warmen Strahlen der Sonne begannen den Schnee überall zu schmelzen.
„Nein! Nein!“, protestierte der Schneehase, „Ein kaltes Schneegestöber ist viel schöner.“
Er klopfte mit den Pfoten dreimal auf den Boden und die Wolken schoben sich wieder vor die Sonne. Sofort fing es wieder an zu schneien.
Teddy brummte unzufrieden, „Jetzt reicht es mal mit dem ganzen Schnee! Es wird Zeit für schöne Blumen und Bienen, die Honig sammeln.“
Teddy rieb sich über den runden Kuschelbauch und ein Knurren ertönte von seinem Magen. Einen Moment später kam ein großer Schwarm Bienen angeflogen und mit ihnen kam ein warmer Wind auf, der den Schnee wegpustete. Für einen Moment kam wieder die Sonne heraus, doch dann wedelte der Hase mit den Ohren und es schob sich eine dicke, schwarze Wolke davor. Kurz darauf strömte heftiger Regen auf alles.
„Ahh! Sieh dir an was du angerichtet hast!“, jammerte der Schneehase und deutete auf das schnell dahinschmelzende Iglu.
„Ich? Du warst das. Dank dir ist jetzt alles durchnässt!“, brummte Teddy und pustet wieder zu den Wolken, „Jetzt brauchen wir was Wärmendes, trocknendes.“
Die Sonne schickte ihre Strahlen wieder über den Garten. Fee Linda sah von Teddy zum Hasen und zum Himmel hinauf.
„Ihh! Da fängt mir ja in der Nase zu kribbeln an!“, sagte der Hase und musste Niesen. Durch dieses laute Hatschi wurde ein Schneesturm ausgelöst. So stark, dass Peter einen Moment lang nichts mehr sehen konnte. Als sich der Sturm etwas beruhigt hatte, waren die Bienen verschwunden. Teddy pustete wieder und vertrieb die Wolken. Doch gleichzeitig klopfte der Hase auf den Boden und die Wolken kamen wieder näher.
Es dauerte nicht lange, da ließ ein lauter Donner das Baumhaus erzittern. Linda hielt sich an der Gardine fest. Blitze zuckten vom Himmel. Hase und Teddy hörten nicht auf, zu pusten und zu klopfen. Da nahm Linda all ihren Mut zusammen und flog aus dem Fenster in den Sturm. Geschickt wich sie den Blitzen aus und obwohl sie mehrmals vom Wind gepackt wurde, flog sie immer wieder auf Schneehase und Teddy zu. Als sie zwischen die beiden gelangt war, fragte sie: „Warum willst du das es Schneit, Schneehase? Und warum willst du Sonnenschein Teddy?“
„Ich will, das alles schön weiß ist, damit Peter wieder sieht, wie schön der Schnee ist und ihn sich nicht mehr wegwünscht!“, verkündete der Hase.
„Ich will Sonnenschein und Wärme, weil Peter das mag“, brummte Teddy.
Der Junge trat neben Linda, streckte die Arme aus und legte eine Hand auf den Kopf des Schneehasen und die andere auf Teddys Schulter.
„Aber ich mag doch beides! Ich spiele gerne im Sonnenschein Ball und im Schnee baue ich gerne ein Iglu. Aber heute möchte ich am liebsten, das Oma und Opa zu mir kommen. Und das können sie leider nicht, wenn es schneit.“
Teddy brummte und der Schneehase sagte: „Ach. Ich möchte meinen Opa ja auch gerne wiedersehen.“
„Na dann brauchen wir gutes Osterwetter für alle!“, jubelte Fee Linda.
Einen Moment später begann es Ostereier zu regnen, die sanft zu Boden schwebten und sich hier und da zwischen Blumen im Gras, oder auf eine kleine Schneeinsel setzten.
Peter erwachte und sprang sofort aus dem Bett. Vom Fenster fiel warmes Sonnenlicht herein und er konnte die Vögel sogar durch das geschlossene Fenster fröhlich zwitschern hören. Er öffnete das Fenster und sah hinaus. An vielen Stellen war der Schnee geschmolzen. Vor allem die Straßen waren frei. Aber auf dem Rasen lagen hier und da noch kleine Schneehaufen.
„Teddy! Sieh nur! Das ist ja wie in meinem Traum“, sagte er freudestrahlend und da fuhr auch schon Opas Auto auf die Einfahrt.